Es gibt ein Warten, das zermürbt. Nicht das erwartungsvolle Warten auf etwas Gutes – sondern das Warten, das einen aushöhlt. Auf den Befund, der alles verändern könnte. Auf das Kind, das nicht kommt. Auf die Entscheidung, die jemand anderes trifft. Auf das Zeichen, dass es sich lohnt weiterzumachen. Dieses Warten hat keine gute Form. Es macht klein, reizbar, müde. Und es ist schwer, darin zu beten – weil Beten sich anfühlt, als würde man in einen leeren Raum sprechen. Diese Liturgie ist für genau diesen Raum. Sie verspricht nichts. Sie tröstet nicht billig. Sie hält nur aus – gemeinsam.
Ablauf
Diese Liturgie kann allein gesprochen werden oder zu zweit – ein Mensch, der wartet (A), und einer, der ihn begleitet (L). Die Gemeinde-Antworten (G) können auch von einer einzigen Begleitperson gesprochen werden. Es gibt zwei kurze Momente der Stille, die wirklich gehalten werden sollen.
Die Liturgie
L: Wir sind hier in einem Warten, das wir uns nicht ausgesucht haben. Es dauert länger, als wir dachten. Es kostet mehr, als wir haben.
G: Wir sind trotzdem hier.
L: Wir sprechen nicht, weil wir Antworten haben. Wir sprechen, weil Schweigen allein zu schwer ist.
G: Wir sind trotzdem hier.
[ Stille ]
L: Gott, du weißt, worauf wir warten. Du weißt, wie lange es schon geht. Wir sagen es trotzdem – weil Aussprechen uns erinnert, dass du zuhörst.
A: (spricht den eigenen Wartegrund laut oder in Stille)
[ Stille ]
L: Es steht geschrieben: Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft.
G: Wir haben diese Kraft gerade nicht.
L: Es steht geschrieben: Sie fahren auf mit Flügeln wie Adler.
G: Wir kommen heute nicht vom Boden hoch.
L: Es steht geschrieben: Sie laufen und werden nicht müde.
G: Wir sind müde. Wir sind sehr müde.
L: Und trotzdem halten wir uns an diesem Wort fest – nicht weil wir es gerade glauben können, sondern weil andere es vor uns geglaubt haben. Weil es getragen hat, bevor wir es brauchten. Weil es vielleicht trägt, auch wenn wir es nicht spüren.
G: Halte uns, wo wir uns nicht halten können.
L: Wir nennen dieses Warten nicht schön. Wir nennen es, was es ist: schwer. Wir bitten nicht um Geduld, die wir nicht haben. Wir bitten nur: Lass uns nicht allein darin.
G: Lass uns nicht allein darin.
L: Und wenn heute nichts kommt – kein Zeichen, keine Wende, keine Erleichterung – dann sei du das Einzige, das bleibt.
G: Amen.

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