Der Wecker klingelt, und noch bevor die Füße den Boden berühren, ist das Display an. Nachrichten, Mails, kurz Instagram. Zwanzig Minuten später liegen wir immer noch im Bett. Und abends dasselbe in umgekehrter Reihenfolge. Fast alle kennen das, ob sie sonntags in der Kirche sitzen oder mit Glauben nichts am Hut haben. Wir merken, dass uns da etwas entgleitet.

Schau dir mal an, wie wir dabei dasitzen: Kopf gesenkt, Schultern rund, ganz versunken. Eigentlich ist das die Haltung von Menschen, die beten. Nur dass wir sie heute vor einem Bildschirm einnehmen.

Das Handy ist nicht das Problem

Die Bibel kennt kein Smartphone, aber sie kennt das menschliche Herz. Jesus sagt: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz (Matthäus 6,21). Und das erste Gebot erinnert daran, dass ein „Gott" nicht in erster Linie eine Statue ist. Gott ist das, woran wir unser Herz hängen. Das, wohin wir greifen, wenn uns langweilig ist, wenn wir Angst haben, wenn wir uns allein fühlen. Irgendetwas füllt diesen Platz immer, auch bei Menschen, die sagen, sie glauben an nichts.

Martin Luther hatte für Dinge wie das Handy ein altes Wort: Mitteldinge. Dinge, die an sich weder gut noch böse sind. Wie ein Küchenmesser: Du kannst damit Brot schneiden oder dich verletzen. Die Frage ist nicht, ob das Messer schlecht ist, sondern wer den Griff in der Hand hat. Paulus bringt es auf den Punkt: Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen (1. Korinther 6,12).

Eingescrollt in uns selbst

Im Lukasevangelium heilt Jesus eine Frau, die achtzehn Jahre lang gekrümmt war. Sie richtet sich auf und lobt Gott (Lukas 13,10–13). Ein starkes Bild. Denn der Feed ist darauf gebaut, uns immer weiter in uns selbst hineinzurollen: Er zeigt, was uns interessiert, aufregt, bestätigt.

Oft ist das Scrollen auch eine Flucht vor der Stille. Weil in der Stille Fragen hochkommen. Manchmal auch Gott.

Ist das Tastenhandy die Lösung?

Manche tauschen ihr Smartphone gegen ein altes Nokia. Das kann ein mutiger und guter Schritt sein. Aber es ist keine Frage von gut und böse, sondern von Weisheit. Aus einer guten Idee darf kein neues Gesetz werden. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit", schreibt Paulus (Galater 5,1). Wir müssen uns vor Gott nicht durch weniger Bildschirmzeit beweisen. Aber gerade weil wir frei sind, dürfen wir fragen: Bin ich noch Herr über dieses Ding?

Und ja, das Handy kann sogar Gutes tun: die Sprachnachricht an die Oma, das Gebet für einen Freund, dem es dreckig geht. Paulus hat auch die Technik seiner Zeit genutzt und Briefe geschrieben, wenn er nicht selbst kommen konnte.

Vier Ideen für den Alltag

  • Gott zuerst. Das erste Wort des Tages gehört nicht dem Posteingang. Ein kurzes Gebet, fünf Minuten Stille. Wer mit Beten fremdelt, kann einfach sagen: Gott, falls es dich gibt, zeig dich mir.
  • Ein fester Platz. Zu Hause liegt das Handy an einem bestimmten Ort. Wer etwas nachschauen will, muss hingehen. Diese paar Schritte sind wie eine Schwelle: Du entscheidest bewusst, statt automatisch zu greifen.
  • Unbequem machen. Apps, die dich fressen, löschen oder per VPN- oder Blocker-App sperren.
  • Ein kleiner Ruhetag. Ein Abend pro Woche ohne Handy. Nicht als Leistung, sondern als Geschenk.

Und wenn du doch wieder um Mitternacht im Bett scrollst? Dann gilt nicht „versagt", sondern: Gott ruft dich beim Namen. Leg das Handy weg, heb den Kopf und fang neu an.

Hier ist das passende Video: