Es gibt diesen Moment, den nicht alle kennen – aber die, die ihn kennen, hüten ihn gut.

Noch bevor der erste Lärm kommt. Bevor die Kinder rufen oder das Handy vibriert oder der Tag seine Ansprüche stellt. Einfach sitzen. Die Hände um die warme Tasse. Draußen wird es langsam hell.

Das ist kein großer Moment. Und gleichzeitig ist er kostbar auf eine Art, die schwer zu erklären ist.

Viele Menschen beten in dieser Stille – ohne es so zu nennen. Sie denken nach. Sie atmen. Sie werden kurz wieder sie selbst, bevor sie in ihre Rollen schlüpfen. Dieses Gebet gibt diesem Moment einen Namen. Es sagt: Das hier ist heilig. Nicht trotz seiner Alltäglichkeit – sondern genau deswegen.


Ablauf

Ein stilles Einzelgebet – nicht laut gesprochen, eher gelesen oder gedacht. Keine Antworten, keine Struktur, die Disziplin verlangt. Einfach da sein mit den Worten. Die Tasse darf in der Hand bleiben.


Das Gebet

[ Sitzen. Tasse in den Händen. Noch ist es still. ]

Noch ist es still.

Danke dafür.

[ Stille ]

Ich bin noch nicht Mutter. Noch nicht Vater. Noch nicht Kollegin, Chef, Freund, Funktioniermensch. Ich bin gerade einfach nur ich. Das passiert nicht oft.

Die Tasse ist warm. Das reicht erstmal.

[ Stille ]

Ich weiß noch nicht, was heute kommt. Wahrscheinlich zu viel. Wahrscheinlich ein paar Momente, die ich nicht eingeplant hatte. Vielleicht etwas Schönes. Vielleicht etwas Schwieriges.

Ich muss das jetzt noch nicht wissen.

[ Stille ]

Gott, du bist auch hier. In dieser Küche, in dieser Stille, an diesem ganz gewöhnlichen Morgen. Ich muss nichts leisten dafür. Ich muss nur sitzen.

Geh mit mir in den Tag. Nicht als großes Versprechen – einfach so, wie du hier schon bist. Still. Nah. Da.

Amen.

[ Noch einen Schluck. Dann beginnt der Tag. ]