Es gibt Nächte, die einfach nicht funktionieren.

Man liegt da. Die Gedanken drehen sich. Oder der Körper schmerzt. Oder die Sorge, die tagsüber irgendwie zu managen war, legt sich nachts schwer auf die Brust und lässt nicht los. Oder ein Kind tritt einem ständig in die Rippen. Und irgendwann wird es hell – nicht weil man geschlafen hat, sondern weil die Zeit einfach weitergelaufen ist.

Und dann kommt der Tag. Unbeirrt. Mit seinen Anforderungen und Menschen und Dingen, die erledigt werden müssen.

Fromme Morgengebete fühlen sich in diesem Moment falsch an. Zu ordentlich. Zu aufgeräumt. Was gebraucht wird, ist etwas anderes – ein Gebet, das genauso aussieht wie man selbst gerade: zerknittert, müde, ehrlich.

Gott kann das aushalten. Mehr noch – er kennt diese Nächte.


Ablauf

Ein Einzelgebet für den Morgen danach. Kein lautes Sprechen nötig – lesen reicht. Kein Aufraffen, keine Haltung. Einfach so wie man ist.


Das Gebet

[ Irgendwo sitzen. Kaffee optional. ]

Ich hab nicht geschlafen.

Das weißt du.

[ Stille ]

Die Nacht war lang. Zu viele Gedanken, zu viel Dunkel, zu wenig Ruhe. Ich hab es versucht. Es hat nicht geklappt.

Ich bin müde. Nicht nur im Körper – diese Sorte Müdigkeit, die tiefer sitzt.

[ Stille ]

Ich weiß nicht, wie ich heute funktionieren soll. Ich weiß nicht, wo ich die Geduld hernehmen soll. Ich weiß nicht, ob ich das gut hinkriege.

Ich sag das einfach mal so.

[ Stille ]

Gott, ich bring dir heute nicht viel mit. Keine Andacht, keine gesammelten Gedanken. Nur das hier – diese Erschöpfung, diese Augen, diesen Morgen.

Nimm das.

Und gib mir genug für heute. Nicht für die ganze Woche. Nicht für morgen. Nur für heute.

Einen Moment Geduld, wenn ich sie brauche. Einen Menschen, der nett zu mir ist. Vielleicht irgendwann heute einen Moment Stille.

Mehr verlange ich nicht.

Amen.

[ Aufstehen. Es geht trotzdem los. ]