Es gibt Tage, an denen nichts Besonderes passiert. Kein Einschnitt, keine Wendung, keine Erleichterung nach langer Spannung. Nur: Kaffee, Arbeit, Mittagspause, Abend. Und genau diese Tage gehen oft unbemerkt vorbei – ohne dass wir innehalten und sagen: Das war gut. Das war genug. Das war geschenkt. Dabei ist der gewöhnliche Tag das eigentliche Material des Lebens. Diese Liturgie ist eine Einladung, einmal am Ende eines solchen Tages stehenzubleiben. Nicht weil etwas Großes war. Sondern weil der Tag einfach war.


Ablauf

Diese Liturgie ist für eine einzelne Person, am Ende des Tages – oder auch mittendrin. Sie wird still oder halblaut gesprochen, gerne im Sitzen. Die Klammern markieren Momente, in denen eigene Worte oder Namen eingesetzt werden können.


Die Liturgie

[ Eine ruhige Haltung einnehmen. Kurz innehalten. ]

L: Dieser Tag ist gewesen. Nicht mehr und nicht weniger. Ich halte ihn einen Moment fest, bevor er vergeht.

[ Stille ]

L: Es war heute: [ ein kleines Gutes, das aufgefallen ist – laut oder still benennen ]

Das war nicht selbstverständlich. Das war da.

L: Das war auch heute: [ etwas Schweres oder Ungelöstes – laut oder still benennen ]

Ich lege es nicht weg. Ich lege es ab.

[ Stille ]

L: Gott, du warst in diesem Tag, auch wo ich dich nicht gesucht habe. Im Gewöhnlichen, im Unaufgeregten, im Vergesslichen.

Ich danke dir nicht für große Dinge heute. Ich danke dir für diesen Tag – so wie er war.

Für das Licht am Morgen. Für den Atem, der nicht aufgehört hat. Für die Menschen, die da waren. Für das Brot.

L: Es ist genug gewesen. Ich bin genug gewesen. Du warst genug.

[ Stille ]

L: Morgen fängt neu an. Aber jetzt – ist dieser Tag gut.

Amen.